28.Oct.2011 Carry [you carrying me]

Donnerstag 27.10.2011, 20.35 Uhr im ShiftClub: Einige Leute stehen an der Bar, wenige vor der Bühne, manche habens sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. Der Raum ist erfüllt von Stimmengewirr und Gelächter. Auf die Leinwand hinter der Bühne wird ein Video projeziert, eine junge Frau trägt einen Mann durch den Wald.

Auf der Bühne steht Christine Hasler, ganz ruhig und auf sich und ihre Performance fokusiert. Mit leisen und akzentuierten Atemgeräuschen begleitet sie das Geschehen des Videos. Nach und nach vermag sie mit ihrer Performance auch die Aufmerksamkeit der letzen Schwatzenden auf sich zu ziehen und den Raum mit ihrer Präsenz und Stimmlauten zu füllen.

Gespannt beobachtet man die junge Frau im Wald und wie diese mit ihrer Aufgabe, dem Gewicht des Mannes und dem der verrinenden Zeit zu kämpfen hat. Wie soll sie den schweren Mann halten? Wie weit kann sie ihn noch tragen? Was passiert, wenn sie ihn nicht mehr tragen kann? Die Anstrengung und Anspannung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Die Christine Hasler auf der Bühne hingegen wirkt ruhig. Mit ihrer Stimme produziert Sie Atemgeräusche, flüstert und lässt stellenweise Wörter und Sätze mit leiser Stimme erklingen. Mittels technischer Hilfsmitterl entsteht daraus ein Sound der das Video untermalt und dessen Handlungsspielraum erweitert.

Mit Zeilen wie “How carry you, I care for you”, “I carry you, you carry me?” oder  ”She cares for me, I care for you” spielt die Künstlerin auf die Rollenverteilung in unserer Gesellschaft an, stellt unsere Klischees in Frage und das Bedürfnis danach, von jemandem getragen zu werden ins Blickfeld. So ist es auch das Brechen mit und Ausräumen von allgegenwärtigen Klischees, das Christine Hasler mit ihren Performances, Klängen, Tönen und anderen Greäuschen, die der Körper her gibt immer wider zum Thema macht.

Christine Hasler hat an der HKB Musik und Medienkunst studiert und ist dieses Jahr schon zum zweiten Mal mit einer Performance am Shift in Progress mit dabei. Nebst solchen Videoperformances wirkt sie auch als Singer-/Songwriterin Lia sells fish und hat eine Elektro – Pop Band naima

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27.Oct.2011 SQUEEEEQUE! a.k.a. the Improbable Igloo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Performance in einem mit Lautstärkern besetzten Iglu stand zwischen halb zehn und viertel vor zehn im Mittelpunkt des Hauses der elektronischen Künste. Alexis O’Hara und Radwan Moumneh bringen runde, düstere aber auch kontinuierliche Sounds aus den Lautstärkern hervor. Aber bei SQUEEEEQUE! kann der Zuschauer nicht nur betrachten, sondern wird auch zum Interagieren aufgefordert. Wer sich ins Iglu rein sitzt kann selber durch die vier Mikrofone, welche von der Decke hängen, Geräusche produzieren und mit Hilfe eines Mixgerätes Echos in die Sounds reinbringen. In diesem Fall entsteht jedoch ein Kreislauf der Geräusche. Die aufgenommenen Geräusche durch die Mikrofone werden durch die nach innen gerichteten Lautsprecher gesendet. Dieser Sound wird nochmals durch die Mikrofone aufgenommen usw. Ein Kreislauf aus verrückten und wiederholenden Klängen entsteht. Das Mixgerät verschärft dabei nur die Echos.

Interessant scheint auch das Iglu als Bühne. Das Iglu als Wärmespeicher und als Schutz vor der eisigen Hitze scheint in diesem Fall mehr ein Geräuschespeicher zu sein. Der Kreislauf der Hitze wird hier zu einem Kreislauf des Sound.

Während der Performance sitzt O’Hara im Iglu und Momneh läuft mit einem abgetrennten Lautsprecher herum und schwingt es durch die Luft. O’Hara produziert helle Gesänge und hält von Zeit zu Zeit bis zu vier Mikrofone in der Hand. Momnehs Umkreisen des Iglus und dem Schwingen der Membrane aus dem Verstärker bringt einen düsteren Hintergrund in den Auftritt. Die Performance aber hört da auf, wo der Zuschauer vielleicht denken könnte sie würde erst richtig anfangen.

Faszinierend an dem Kunstwerk ist der produzierte Sound. Die Lautsprecher sind Second Hand angesammelt und verändern die Klänge in einen fließenden Sound positiv um. Das Iglu sammelt die Geräusche und für den im Gehäuse sitzenden ist es eine reiche, entdeckende und faszinierende Reise in eine komische Klangwelt. Die Idee ist sehr überzeugend und vor allem das Bild des rundes Iglus ist wohlfühlend. Auf die Frage wieso die Künstler ein Iglu gewählt haben und nicht ein normales viereckiges Haus antwortet Momneh spontan und locker: “Wenn wir ein Haus genommen hätten, hätten die Leute gesagt wieso nicht ein Iglu.”

Powervoller zweiter Auftakt von Rico Loop

Rico Loop- der Name ist Programm. So arbeitet er vor allem mit seiner eigenen geloopten Stimme und Geräuschen. Der Live DJ lieferte mit seiner Performance einen fulminanten zweiten Auftakt des diesjährigen Shift-Festivals.

Doch von Anfang: Ohne viele Worte zu verlieren legte Loop gleich richtig los. Auf seinem Pult ein kaltes Bier und eine doch eher unübliche Weinflasche. Bereits zu Beginn zeichnet sich sein Auftritt durch vollen Stimm- aber auch Körpereinsatz aus, untermalt von vollen BässenEs wirkte alles sehr durchdacht und gut einstudiert. Dann wird es einen kurzen Moment ruhig und der Künstler meldet sich zu Wort. Er komme eigentlich nicht aus dem Beatbox-Bereich, aber Geräusche hat er schon immer gerne gemacht, so Loop. In der Tat tut sich der Hörer teilweise schwer in der Unterscheidung der Herkunft der Bässe.

Es folgt ein kurzer Abriss über sein Equipment, drei aneinander gehängte Loop Machines und seine Stimme. Mehr braucht er auch nicht um die Menge zu begeistern, auch keine akribische Planung. Denn sein Sound ist komplett improvisiert. Beatbox-Einlagen wechseln sich ab mit groovy Basspassagen, der Saal füllt sich im Takt der Bässe. Zwischenrufe aus dem Publikum heizen die gute Stimmung zusätzlich an.

Rico Loop meldet sich nochmals zu Wort und bezeichnet die bisherige Performance lediglich als Aufwärmübung. Um uns seine künstlerische Tätigkeit näher zu bringen, nimmt er uns in den folgenden dreissig Minuten auf eine Weltreise der Klänge und Geräusche mit. Sie führt durch verschiedenste Stilrichtungen, dies gelingt ihm nebst seiner Stimme mittels Instrumenten aber auch anderen Hilfsmitteln.

Endlich löst sich das Geheimnis der Weinflasche auf, sie dient als Instrument für die afrikanische Musikpassage. Ein Schluck aus der Pulle zwischendurch darf dabei natürlich auch nicht fehlen… Westliche Klänge sowie russisch anmutenden Passagen geben sich die Klinke in die Hand.

Fesselnde Beats füllen den Raum, Loop löst sein Versprechen der Weltreise auf eine fesselnde Art und Weise ein. Der Live DJ reisst das Publikum nicht nur mit dem Sound, sondern mit seinem vollen Körpereinsatz mit. Ein Feuerwehreinsatz vor der Tür der Konzerthalle rundet den durch und durch gelungenen Auftritt ab.

Mehr zu Rico Loop unter: http://www.ricoloop.com/

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Dave Tompkins // Musik Historie zum Einstieg

Dave Tompkins at Shift Festival 2011

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Dave Tompkins beginnt der musikalische Teil des Shift Festival 2011. Und wie es für das Shift Festival so üblich ist, geht es nicht nur um den reinen Hörgenuss. Es geht um Medienanordnungen, Meidenwahrnehmung und, wie bei Tompkins besonders ersichtlich, um Mediengeschichte. Der Musik-Journalist Tompkins ist natürlich ein Musik-Verrückter, er liebt Musik so scheint es, aber es geht ihm bei seinem Auftritt nicht um den Auftritt als Ganzes. Er ist kein DJ, der seinen Auftritt zelebriert. Vielmehr präsentiert er die Geschichte der Stimme in Hip-Hop- und Pop-Geschichte. Während es bei anderen DJ-Auftritten insbesondere um das Dazwischen geht, um den Übergang von einem in das andere Stück, um das Verschmelzen der Stücke, will Tompkins die Möglichkeiten der Verwendung der Stimme in der Musikgeschichte zeigen. Übergänge sind egal. In seinem Auftritt bezieht sich Tompkins dabei ganz im Sinne seines Buches „How to Wreck a Nice Beach“ der Bedeutung des Vocoders und betritt damit das Feld der elektronisch veränderten Stimme. Der Vocoder, aus „voice“ und „encoder“ (damit wird das technische Prinzip des Vocoders auf den Punkt gebracht), hatte seine erste Hochzeit im zweiten Weltkrieg als Verschlüsselungstechnologie zum überbringen von Botschaften. In den 1970er Jahren wurde er dann von Musikern entdeckt und hatte dann seinen zweiten Höhepunkt bei Musikern wie Kraftwerk, Rammellzee, Africa Bambaataa oder Michael Jackson. Tompkins geht in seinem Buch genauso wie in seinem Auftritt dabei auf diese Geschichte der „Stimme unter Strom“ ein, die sich heute im Auto-Tune zeigt. Auch wenn das Publikum für diese musikalische Dokumentation noch nicht so richtig bereit war, war Tompkins mit seinem Faible für Bass ein schöner Einstieg zum diesjährigen Shift.

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Startschuss zum Shift-Festival

Feierlich wurde soeben die 5. Auflage des Shift-Festivals eröffnet. Wie wir den diversen Ansprachen entnehmen können, dürfen wir uns auf klangvolle Tage freuen, an denen uns gegen die 100 Künstler im Rahmen des Mottos “Of Birds and Wires” die Beziehungen zwischen Stimme, Körper und Technologie näher bringen werden. Das Shift-Festival soll auch dazu dienen, dem “Kunst-Guantanamo” Dreispitz, wie es Beat von Wartburg, Leiter Abteilung Kunst der Christoph Merian Stiftung, liebevoll nennt, künstlerische Impulse zu versetzen, damit das Areal in den kommenden Jahren zu einem kulturell relevanten Standpunkt avanciert. Doch wollen wir für den Moment nicht zu sehr in Zukunft blicken und geniessen, was das Shift-Festival 2011 zu bieten hat.

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Soundcheck im Shift Club

Noch kümmert man sich im Shift Club zwar geschäftig um die Entwirrung des Kabelsalates und die Verstöpselung der Instrumente, die Stimmung aber ist gelassen. Doch die Bruchstücke, die der Soundcheck preis gibt, geben einen Vorgeschmack auf die Intensität und Lautstärke der Performances von Christine Hasler, Carmel Michaeli und Lior Pinsky, die hier ab 20.30 Uhr stattfinden.

 

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uhrzeiger ade

Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger sind Geschichte, die Zeit der eckig leuchtenden Ziffern ist vorbei – jetzt gibt’s qrtime. Total diskret, schön abstrakt, zugleich unterhaltend wie ein frühes Computerspiel. Nur, wieviele Stunden bleiben nun noch bis zur Shift-Eröffnung?

 

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25.Oct.2011 Shift 2011: Der Countdown läuft

Untitled from Shift Festival on Vimeo.

Und die Vorbereitungsarbeiten laufen auf Hochtouren.

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19.Oct.2011 Buongiorno Svizzera elettronica

RSI über HeK

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Die Sendung Cult TV des Tessiner Fernsehens berichtete über das Haus für elektronische Künste Basel und über Shift. Für uns das dies zur Folge, dass wir unsere eigenen Worte kaum mehr verstehen.

 

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