30.Oct.2011 Konzerthalle vs. Shift Club

Ghostpoet tritt in der Konzerthalle auf und im Shift Club spielen Kali 1.618 & VJ Jynzé.

Wo soll man nun hingehen? Natürlich ist die erste Reaktion sich das Programmheft an zu schauen und zu gucken was einen nun eher anspricht. Aber dennoch ist der oder die Einzelne eher dazu tendiert zum Hauptakt oder zum Bekannteren zu gehen.

Ghostpoet ist ohne Diskussion ein hervorragender Musiker, aber dies bedeutet nicht, dass der Rest des Shift Festivals zu vergessen gilt.

So zum Beispiel Kali 1.618 & VJ Jynzé. Kali 1.618 ist Musik die bewegt. Die Visuals von VJ Jynzé unterstützen die heftigen Beats, verrückten Melodien gemischt aus Drumsampler und Synthesizern.

Wie auch schon in den vorherigen Tagen ist der Shift Club nicht mal bis zur Hälfte gefüllt. Die meisten Besucher befinden sich in der Konzerthalle. Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen und für einen Act muss man sich nun mal entscheiden. Der Club hat ganz gewiss nicht die grossen Namen gehabt. Wer aber ab und zu, im Verlauf des Wochenendes, einen Blick in den Shift Club gewagt hat, der hat gemerkt, dass das Publikum nicht gross vertreten war, aber, dass die Qualität der Musik ganz klar vorhanden war.

 

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Cooly G – Live Act

Die Konzerthalle ist voll, die Leute warten gespannt auf den Act. Der Sound von Cooly G erinnert an Lounge Musik. Dieser Akzent bleibt das ganze Konzert über erhalten. So wechseln sich lange smoothe Passagen mit kurzen heftigen basslastigen Elementen ab.

Das Publikum lässt sich anstecken, es strömen mehr Leute in den Saal. Die zwei DJs liefern eine gelungene Performance. Auch Gesangseinlagen fehlen nicht im Repertoire, der Gesang begleitet den Sound in unaufdringlicher Weise. Auf den sanften Einstieg folgen aufeinander aufbauende Passagen, welche wiederum in druckvolle, den Raum zum Beben bringende, Bässe münden.

Die DJs zaubern dabei immer wieder einen neuen musikalischen Leckerbissen aus dem Ärmel. Mit ihrem Deep House vermögen die DJs das Publikum bis zum Schluss hin zu begeistern…

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Ghostpoet

Beeindruckend, mit was für einer Leichtigkeit dem Briten die Songs von der Hand gehen. Als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Und doch ist von plattgefahrener Routine keine Spur.

Auch am Songwriting ist nichts auszusetzen: Ghostpoet hat es nicht nötig, dick aufzutragen und mit überladener Vielschichtigkeit Mängel überdecken zu müssen – ganz im Gegenteil: die Songs sind mit einer Finesse geschrieben, die keinen Platz für Flecken lässt. Details sind gezielt gesetzt und doch ist sich der Mann mit der unverkennbaren Stimme nicht zu schade eingängige Melodiefragmente wiederholend einzusetzen.

Was bleibt zu sagen: Ghostpoet war mit Sicherheit einer meiner musikalischen Favoriten am diesjährigen Shift-Festival.

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Überirdische Klänge von Holy Other

Verhüllt von einer schwarzen Kapuze und reichlich Nebel füllte Holy Other von 21.30 bis 22.30 Uhr die Konzerthalle mit seinen geisterhaft-schönen bis melancholischen Klängen. Seine düstere Musik ist eine Mischung aus atmosphärischem Elektro, gespenstigen Vocals und langsamen Beats, untermalt vom Synthesizer.
Dieser Genremix von R&B, Garage Band und langsamem Elektro kam beim Publikum gut an, entführte es teilweise in andere Sphären. Die langsam fliessenden Klängen weckten eine leider bis zum Schluss unerfüllte Erwartung auf etwas, dass das Publikum aus dem überiridischen ins abgespacede katapultiert.

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29.Oct.2011 mangafigur auf entdeckungsreise

Annlee hat keine Stimme – und kann doch ihre Geschichte erzählen. Annlee ist, nach eigener Aussage, „a product freed from the market place I was supposed to fill“. Eine Manga-Figur, die von Philippe Parreno und Pierre Huyghe erworben wurde, um im Rahmen des kollaborativen Projekts „No Ghost Just a Shell“ in verschiedenen Kunstkontexten aufzutreten. Nicht Gespenst, das gruslige Laute von sich gibt, sondern Gehäuse, darauf harrend, mit imaginativem Material gefüllt zu werden.

In der Videoarbeit „One Million Kingdoms“ von Pierre Huyghe erscheint Annlee denn auch nur mehr als neonfarben leuchtender Umriss. Wenn der Betrachter ihr auf ihrem Gang durch eine sich ständig wandelnde Landschaft folgt, so ist es doch nicht ihre Stimme, die er hört, selbst wenn die Bewegungen ihres kleinen Mundes mit zunehmendem Masse auf die Tonspur abgestimmt scheinen. Mit ihrer ätherischen Erscheinung und den kindlichen Gesichtszügen ist die synthetische, doch deutlich auf einen Mann verweisende Erzählstimme nicht vereinbar.

Was diese erzählt, ist die eine Geschichte zweier Expeditionen in unbekannte Landschaften, die am Fusse eines Vulkans irgendwo in Island beginnt. In ihr sind Übertragungen von der ersten Mondlandung mit Passagen aus Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ zu einer spannungsgeladenen Dramaturgie verwoben. Von Entdeckereuphorie jedoch ist keine Spur: „Shadows of what we would discover later on… prepared us for the spectacles of desolation…“ – die hier vorgestellten Visionen einer Schwelle zu einer anderen Welt lassen die Ahnung aufkommen, dass der Spaziergang Annlees keinen günstigen Ausgang nehmen wird.

Deren potentiell endlose Vorwärtsbewegung wird durch Kamerafahrten begleitet, bis mit der ersten Grossaufnahme ihres Gesichts auch eine narrative Wendung eintritt: „I leaned over a projecting rock and looked down.“ Vor der Kluft, die zwar angesprochen, aber nicht ins Bild gebracht ist, wird die eigentümliche Verbindung von hörbarer Erzählung und sichtbarer Landschaft zum Thema: Indem die Topographie an eine Mondlandschaft gemahnt, steht sie in inhaltlichem Zusammenhang mit dem Erzählten. Die sich erhebenden und in sich zusammenschmelzenden Formationen sind aber gleichfalls visuelle Äquivalente von Schallwellen. Als multidimensionales Spektrogramm übersetzen sie, was man als Stimme wahrnimmt, in eine räumliche Anordnung.

So sind es auch jene Konfigurationen, die am Ende zusammenfallen, um sich in eine Ansammlung weisser Punkte auf schwarzem Grund aufzulösen. „For a moment I was afraid that their words would be my own brought back by an echo… I listened once more, and I clearly heard my voice… thrown… through… space.“

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Things you missed: «Die Vögel» live @ Shiftfestival 2011

So you were really too tired to stay up till 3am? Alright, we’re here for you. But you might feel sorry for not drinking that extra coffee in order to see these two finishing up an already great night of concerts… Hurry up and get here now!

 

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Ein gestörtes Gespräch mit Dave Tompkins.

Wenn man mit Dave Tompkins zusammen kommt werden Gespräch und Inhalt zwangsläufig eins. Form und Inhalt gehen eine kohärente Symbiose ein. Mit der Stimme wird gespielt und die Stimme verdeutlicht. Das ist nicht ungewöhnlich, auch in unserer Alltagskommunikation, aber Vocoder-Experte und Medienhistoriker Tompkins beschäftigt sich nunmal mit der Verwendung der Stimme und ihrer elektronischen Veränderbarkeit und deswegen wollen wir es hier noch ein bisschen auf die Spitze treiben. So gesehen ist es nur konsequent, dass wir uns für ein kleines, experimentelles Gespräch im “SQUEEEEQUE! a.k.a. the Improbable Igloo (2009–10)” von Alexis O’Hara treffen. Irgendwie unwahrscheinlich ist dabei auch das Gespräch selbst. Die Technik im  ”SQUEEEEQUE!” verändert und stört dabei das Gespräch, greift ein und verdeutlich zugleich worum es uns geht: herauszufinden, wie Stimme und Maschine in der Musik zusammen kommen. Das Medium ist halt immer auch die Message und im Igloo zugleich auch eine Massage der Wahrnehmung.

Woher kommt die Faszination mit dem Vocoder oder anderen Techniken die Stimme zu verändern? Wie passen Musik und Mystik zusammen?

Tompkin verdeutlicht (oder versucht es zumindest in Anbetracht des Settings), wieso Hip Hop und Rap den Vocoder und jede Möglichkeit Stimme zu verändern dankend annahmen. Dabei scheinen Entfremdung (der Stimme) und Identitätsstiftung zwei Seiten der gleichen Medaille zu sein. Der Künstler kann mit seinem Charakter spielen ohne dabei wirklich verrückt zu werden. Und gleichzeitig geht es auch um die Möglichkeit über die Verfremdung an andere Orte zu reisen. Und zusätzlich geht es, wie sollte es bei diesem unkontrollierten Gespräch anders sein, um die Bedeutung der Störung als zwangsläufige Sichtbarmachung von Medium und Botschaft. Welche Rolle könnt das Stören durch den Vocoder im Hip Hop spielen? Welche Erkenntnis macht sie deutlich? Und auch deutlich wird, dass “Noise” ein kulturelle Produkt ist, dass je nach Betrachtungsweise Störung und Sound ist.

 

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MI: Mission I…nteractive – Tim Exile im Talk – Konzert heute 01:00

Tim Exile kann nicht singen.

Zumindest behauptete der Brite das heute Nachmittag am Talk in der Lounge. Das sei in erster Linie der Grund dafür, dass er seine Stimme elektronisch verändere. Die Stimme stattdessen wegzulassen kommt für ihn aber nicht in Frage, denn für Exile ist sie das wichtigste Instrument unter allen – es verbinde die Menschen untereinander wie kein anderes.

“I’m kind of on a mission to make music interactive”, sagte der Musiker und Software-Entwickler (-> Software-Instrument “The Mouth“) mutig. Besonders deutlich kommt dieses Vorhaben in der Möglichkeit zum Ausdruck, sich sogar an seinen Live-Auftritten beteiligen zu können: Auf seiner Website gibt es die Möglichkeit, die eigene Stimme aufzunehmen und mit ein bisschen Glück ebendiese Aufnahmen an einer Live-Improvisation erleben zu können. Wie Exile sagt, soll sich so für den Hörer ein neues Gefühl für Live-Musik einstellen.

Wer testen möchte, welche Form die eigene Stimme in Exile’s Händen annimmt, kann sich auf timexile.tv austoben oder heute Abend um 01:00 in der Konzerthalle auf eine andere Art an Exile’s interaktiver Mission teilhaben.

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Buchpräsentation Dis/Connecting/Media

Eine Präsentation des analogen, technikfreien Mediums Buch am Shift? Da habe ich mich in Anbetracht der Allgegenwart von Elektronik ja schon etwas gewundert – wenn auch nur kurz. Denn schaut man auf und unter den Deckel dieser Neuveröffentlichung, fügt sich das Buch ins Shift Gefüge ein:

Das Thema of Birds and Wires – Stimmen unter Strom wird mit dem ästhetischen, technischen und auf die Praxis bezogenen Blick, der das Buch auf das Telefon wirft, genau getroffen. Die Techniken, die in weiter und näherer Vergangenheit zur Erfindung des Telefons geführt haben und selbstverständlich auch des Telefon selbst, treffen wir in an jeder Ecke des Festivals an. Auch die interdisziplinäre  Zusammenarbeit haben sowohl Buch und Festival gemeinsam: Sie verbinden Kultur- und Mediengeschichte, Wissenschaft und Kunst zu einem facettenreichen Ganzen. Es werden Brücken zwischen verschieden Disziplinen aber auch in der  Zeitgeschichte geschlagen.

Herausgegeben wird das Buch von Doris Gassert, Ulla Autenrieth, Andreas Blättler und Regine Buschauer im Merian Verlag. Mehr Informationan über Autoren und eine Leseprobe gibt es hier: Autoren, Leseprobe, Buch kaufen

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Apple Talk – mit Biss

Jürgen Lehnis Installation besteht aus zwei Computern (von Apple), welche miteinander sprechen. So lesen sich die beiden Maschinen gegenseitig vor, was sie allenfalls von der Rede des anderen „verstanden“ haben. Dies geschieht mittels Text-to-speech- sowie handelsüblicher Diktiersoftware. Während der Kommunikation der beiden Geräte entstehen immer wieder Missverständnisse, bzw. Verständigungsprobleme. Es erinnert an das Telefonspiel, welches man eventuell noch aus seiner eigenen Kindheit kennt.

Die Texte, bzw. Aussagen der Computer werden in einem Log dargestellt.  Ausserdem wechseln immer wieder die verwendeten Stimmen, diese werden im Log ebenfalls angezeigt. Dies zur Theorie, nur ein wirkliches Gespräch kommt zwischen den zwei Computern eigentlich nicht zustande. So schweigen sich die Geräte während der meisten Zeit an; ab und zu versucht einer wieder das Gespräch aufzunehmen, allerdings mit mässigem Erfolg. Schade eigentlich, doch die teilweise bissigen Bemerkungen wie „It can only be attributable to human error“, können dem Besucher trotz allem ein Schmunzeln entlocken. Eine gute, frische Idee, welche anscheinend noch mit Macken zu kämpfen hat.

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