Eva Carrière materialisiert Ektoplasma (1912). Foto: Baron Freiherr Albert von Schrenck-Notzing
“Medium”; anfangs des letzten Jahrhunderts verstand man unter diesem Begriff vorwiegend Mensch-Medien, welche in spiritistischen Sitzungen Geister bzw. Teile davon materialisierten oder sonstwie mit Parallelwelten kommunizierten. Eva C. (Carrière) war ein solches Medium. Ihre Grosseltern waren bereits praktizierende Spiritisten und als diese das Talent ihrer Enkelin “entdeckten” (bis heute ein kontroverses Thema) begannen sie mit Experimenten und machten Eva C. zu ihrem Versuchstierchen. Ihre Karriere liesst sich eher wie ein Leidensweg. “Experten” und Universitäten befassten sich mit ihr. Immer auf der Suche nach wissenschaftlichen Erklärungen wurde Eva C. ihres Körpers beraubt, und musste neben den sicherlich belastenden Séancen auch verschiedenste, teilweise degradierende medizinische Tests ertragen. Baron Freiherr Albert von Schrenck-Notzing dokumentierte akribisch in Wort und Bild über hundert der von Eva C. abgehaltenen Sitzungen und publizierte diese in seinem Buch Phenomena of Materialization.
Die Künstlerin Zoe Beloff, Algerierin wie auch Eva C., lässt in ihrer stereoskopischen 4-Kanalvideoinstallation 10 dieser von Eva C. bestrittenen Séancen wiederauferstehen. Ausgestattet mit 3-D Brille steht der Betrachter schwarz-weissen Geistern und Geistersehern aus einer andern Zeit gegenüber. Geschichten welche um die Welt gingen und sowie Wissenschaftler als auch Magier gleichzeitig in ihren Bann schlugen.
Standbild aus The ideoplastic materializations of Eva C. von Zoe Beloff (2004)
Um elf Uhr glich die Menschenmasse auf dem Festivalgelände eher einer Gruppe Eingeschworener. Gegenseitiges grüssen, ein Morgen-seufzer vom Ausstellungsbewacher, ein mildes müdes Lächeln vom Informationsbüro und der beste aller Chefs mit der ersten Anweisung: ” Mach dir Kaffee und iss etwas.”
Glücklicherweise schenkte uns die Zeitverschiebung ein bisschen mehr Schlaf. Für die heutige Alltagsfrage “Wann warst du im Bett?” hört man von überall die Gegenfrage “Nach alter oder neuer Zeit?” Eigentlich auch egal, hauptsache die Kaffeemaschine gibt heute ihren Geist nicht auf, sie kränkelt nämlich seit vier Uhr morgens ein wenig.
Was soll man nur mit einem verregneten Sonntag Nachmittag anfangen?
Hier ein Tip: Wer die neuste Professorin des Instiuts für Medienwissenschaften der Uni Basel noch nicht kennt, kann dies mit einem Besuch ihres Vortrages heute um 12.30 ändern! Frau Prof. Dr. Ute Holl eröffnet den letzten Tag der Konferenz mit einem Vortrag über die kultuerdeterminierenden Zusammenhänge zwischen Gesetz und Bild, Gesetzlichkeit und Bildlichkeit.
Um ein Uhr morgens funktioniert alles ein wenig anders. Der Helferraum füllt sich mit müden Leuten, die einfach noch nicht den Nachhause weg antreten wollen, man spricht vom Einsatz am Sonntag und berechnet die Schlafeszeit.
Nun bringt die Uhrzeit so einige schräge Sachen mit sich…während ein Blogger in aller Stille eine Bananenschale bekritzelt, schreiben andere Küchenarbeiter an die Wände. Anscheinend hat die Uhrzeit doch etwas philosophisches – mit der Wiedergabe des letzten Küchengedichts verabschiede ich mich, bis morgen.
Gestern haben uns Kieran “Fourtet” Hebden und Steve Reid mit ihrer Präsenz beehrt. Reid, der seinerzeit schon mit Miles Davis und James Brown spielte, steht nun mit dem jungen Hebden auf der Bühne. Wie Vater und Sohn meistern sie ihr Projekt. Hebden, dauernd auf Reid schauend, der den Takt angibt, erweitert die humane Drummachine mit elektrischen Unter- und Übertönen. Zusammen ergibt sich eine Symbiose aus Rhythmus und elektro-sphärischen Tönen. Schön fürs Ohr, schön fürs Aug. Oder wie Reid im Gespräch mit uns ausdrückte, “It’s like making sex”. Ein langes Vorspiel, das sich langsam orgasmisch hocharbeitet.
Auch in den Gesichtern der Protagonisten dieses Schauspiels lässt sich die Freude am Machen ablesen. Visagierte Emotionen spiegelten sich in Reid, Hebden mimte eher den Jünger auf der Reise ins Wer-Weiss-Wohin. Doch sieht selbst:
Ob sich das Festivalthema bis in die Knochen und an die intimsten Orte durchgesetzt hat, das ist eine gute Frage. Nach diesem Photo aus der Frauentoilette fällt die Benatwortung sicher leichter…
Auf den ersten Blick ist an der beblümten Plastiktischdecke nichts magisches zu erkennen. Wenn sich allerdings der Löffel in der Tasse wie von Geisterhand bewegt und seine Runden dreht, könnte einem schon recht unheimlich werden. Neben der Installation stehen Computer und man kann das komponierte Türengeklapper “vorverfolgen”.
Doch das tue ich für einmal nicht – ich stelle mir vor, wie ich mich fühle, wenn ich aus einem Albtraum erwache: Ich liege schweissgebadet in meinem Bett – es ist stockdunkel – bin hellwach und plötzlich klappert die Teekanne…
Im ersten Moment denke ich, die Geräusche sind Einbildung, dann langsam nehmen die Klänge choreografische Züge an…Schranktüren und Töpfe klappern im Takt.
Eine sehr gelungene und ausgeklügelte Installation vom F18 Institut – ich wünsche mir, dass meine Freunde niemals solche Scherze mit mir und meiner Küche treiben.
Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius alias Cluster haben um 18.30h in der Shift-Lounge bei einem sehr interessanten Talk über ihre Anfänge in der Krautrock-Szene im Westdeutschland der 70er Jahre und ihre aktuellen Projekte gesprochen. Heute Abend werden sie zusammen mit Dorit Chrysler um 22.00h die Shift-Bühne bespielen. Wie sie im Talk versicherten, wird der Auftritt vollkommen improvisiert sein. Im folgenden Video kommt neben Cluster auch die französisch-japanische Fangemeinde dieser deutschen Musikpioniere zu Wort:
In der Küche herrscht gerade ein kreatives-improvisieren. Wodurch lassen sich die ausverkauften Pizocchels ersetzen? Welches Gemüse könnte man auch noch in den Salat schneiden? Und wer hat ne bessere Idee als das aufwendige Schokoladenmousse? Unserem Koch Olli gehört übrigens ein riessiges Lob für seine wunderschönen, blauen Forelle – die trotz ihrer Länge immer irgendwie auf dem Teller Platz finden.
Im Laufe des Abends werden dann die Süchte der Crewmitglieder immer offensichtlicher…Kaffee und Red Bull. Die Kaffeephase haben wir bereits überschritten, nun lechzen wir nach dem klebrigen Energie-Drink. Eigentlich haben wir in der Küche alles was das Herz begehrt, aber kein Red Bull. Dies bringt uns in die verzwickte Lage des “Handels”. Wir liefern euch etwas und ihr gebt uns unseren Brennstoff…an dieser Stelle bedanken wir uns bei zwei Damen weit weit weg und hoffen auf gute Handelsbeziehungen.
Wenn ich vor den ausgestellten Zauberstäben stehe, komme ich mir ganz schön mächtig vor. Heute muss man keine Beschwörungsformeln mehr können. Je nach Bedarf nimmt man Mascara, Mikrofon oder einen anderen modernen Zauberstab und nutzt ihn für seine Zwecke. Eigentlich ganz schön praktisch – doch ich möchte viel lieber RICHTIG zaubern lernen, denn der Holzstab ist das wahre Multitalent – kann alles was ICH will und es ist ihm nicht anzusehen, was ich als nächstes damit vorhabe.