30.Oct.2011 Magie und Aufklärung // Zum Ende ein Blick nach vorne auf die Geschichte der Sprechmaschine

„On Birds and Wires. Stimmen unter Strom“. Drei Tage lang ging es beim Shift Festival um die verfremdete, veränderte, die körperlose Stimme. Am Sonntag, kurz vor Ende des Festivals, liefert Brigitte Felderer im Schaulager noch mal einen historischen Blick auf die Stimme. Aber es war ein Blick zurück in die Zukunft der Medienwissenschaft. Der Blick wurde auf die Inszenierungsgeschichte der Sprechmaschine und Wolfgang von Kempelens Überlegungen wie auch Modelle gerichtet. Schön war nicht nur einen Eindruck von den frühsten Sprechmaschinen 150 Jahre vor dem Vocoder zu bekommen. Interessant gerade auch für die Bedeutung der körperlosen Sprechmaschine von Anbeginn bis heute ist die Einbindung der Maschine in den Kontext von Magie und Aufklärung. Felderer war es wichtig die Sprechmaschine gesellschafts-historisch zu verorten. Dabei scheint die Sprechmaschine zu Kempelens Zeiten (wir vermuten auch heute) zugleich die Bereiche der „freundliche Täuschung als auch der Wissenschaft“ zu berühren. Die Sprechmaschine faszinierte die Menschen. „Die unsichtbaren Mädchen“ lockten damals viele Besucher an, die von der Magie der körperlosen Stimmen beeindruckt waren. Aber: auch heute hat die körperlose und entfremdete Stimme natürlich nichts an Faszination eingebüßt. Mit Blick auf elektronische Musik und Hip Hop scheint die entfremdete Stimme in besonderer Weise das Thema Magie zu bestimmen. Körperlose Stimmen in Apples neuem iPhone, in Science Fiction Filmen oder eben bei Kraftwerk scheinen möglicherweise auf eine magische Zukunft verweisen zu wollen.

Was Felderer also deutlich gemacht hat, ist die Beziehung zwischen der Magie und der Sprechmaschine, die, auch wenn es bei ihr eher eine historische Betrachtung war, in keiner Weise an Relevanz verloren hat. Die Maschinen konnten natürlich nie wirklich sprechen und häufig wurde der Betrachter getäuscht. Und trotzdem lassen uns diese „produktiven Verwirrungen“ zwischen Magie und Technik, von denen Felderer spricht, über das Gegebene hinaus denken und die Möglichkeiten erkunden, was vielleicht noch sein wird. Und natürlich haben sie unsere Ohren für die Stimme, die mehr als das Ergebnis eines Organs ist, geschärft. Das haben wir den Sprechmaschinen zu verdanken. Zum Glück.

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