30.Oct.2011 Im Störfeuer der Störgeräusche. Natürlich mit Dave Tompkins.

Die Installation von Selina Frölicher und Micha Bietenhader “300 Hz bis 3.4 kHz (2011)” für sich alleine ist schon eine schöne Arbeit zum Thema “Stimme/Störung”. Einige Duzend nackte Lautsprecher jeglicher Form hängen in einem Container und geben im unterschiedlichen Rhythmus Geräusche ab. Was wir dort hören sind die Störgeräusche, die in unserer Telefonkommunikation ausgesondert und gefiltert werden. Spannend ist nun, dass der Vocoder, die Nachrichtenverschlüsselungsmaschine, als die technische Grundlage für weitere Forschung in der Telefonkommunikation anzusehen ist. Wie man Gespräche störfrei und datenarm übertragen kann, wurde maßgeblich durch die Erfahrungen aus der Vocodertechnik übernommen. Wir sind also nicht überrascht Dave Tompkins zwischen all diesen Störgeräuschen zu finden, hat er sich doch ausgiebig mit der Geschichte des Vocoder und dem Einfluss des Vocoders auf Popmusik und Hip Hop beschäftigt.

Wie wir da so mit Tompkins in dem Container standen und uns die Maschinengewehr Salven um den Kopf flogen (ja, die Assoziation der Störgeräusche als Kriegsimpressionen war nicht zu leugnen) wurde uns noch mal klar, dass sowohl Kittler als auch Tomkins in dieser Tradition recht behalten haben. Man mag es gut oder schlecht finden, aber die Kriegstechnologien (und eben auch die Kryptologie) kann in der Medienwissenschaft nicht ignoriert werden und ist auch jetzt präsent. So eindeutig und klar wurde dieser Umstand an diesem Woche Ende nirgendwo deutlicher als mit Tompkins im Störfeuer.

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