28.Oct.2011 über architektur tanzen

Vielleicht liegt es an meinem Kunstgeschichte-Studium. Von Semester zu Semester wird klarer, dass für denjenigen und diejenige, der bzw. die sich mit Bildern befasst, die Sprache nicht nur unverzichtbares Werkzeug, sondern auch grösster Widerstand ist. Über Jahre erarbeitet man sich eine Fachterminologie, um zu diskutieren, was sich einem da zeigt, und zugleich über Voraussetzungen und Möglichkeiten des eigenen Sehens zu reflektieren.

Wie aber jene akustischen Phänomene benennen, deren Elemente zu gleicher Zeit auf einen einwirken, sich in der Zeit unterschiedlich entwickeln, sich überlagern und gegenseitig beeinflussen? Während der Mediensprung vom Bild zum Text schon in der Antike als eigene literarische Gattung (die Ekphrasis) fruchtbar gemacht worden ist, sind die Grenzen der Musikkritik sozusagen offiziell anerkannt („Über Musik zu reden ist wie über Architektur zu tanzen.“ – Frank Zappa).

Frank Zappa by berk24

Wie also umgehen mit jenem dritten „Basismedium“, das einen mit nichts konfrontiert, da man nichts vor sich hat? Einen Klang hat man um sich, einen Ton im Ohr, den Beat in den Beinen, den Bass im Bauch. Das oft als Hauptschwierigkeit identifizierte Charakteristikum des Tons, seine Flüchtigkeit, ist mit den heute verfügbaren technischen Mitteln der Aufnahme und Wiedergabe zu bewältigen. Und eine akustische Sequenz in eine andere, nämlich eine Folge von sprachlichen Lauten bzw. schriftlichen Lautzeichen zu übertragen scheint vor allem eine Fleissaufgabe zu sein.

Doch wie das Auge, so will auch das Ohr geschult sein. Was umso mehr Disziplin erfordert, als sich die Ohrmuscheln nicht gezielt auf etwas richten und Gehörgänge nicht ohne weiteres verschliessen lassen. Es gibt viel aufzuholen. Ab ans Konzert.

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